keine nacht für niemand 4.0
 



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schaubude

ich will nix sehen,
ich guck’ nur hin.
the show must go on,
ich schau’ zu.

ich hab’ dir zugeschaut,
war nicht dabei,
an der rampe,
nicht auf der bühne.

wähnte mich als regisseur,
figur im eigenen stück
und bühnenbild zugleich,
souffleur, einflüsterer,

der das stück durcheinander bringt,
weil er auf der falschen seite
und im falschen rhythmus
mitsingt.

ich will nix sehen,
ich guck’ nicht hin.
the show doesn’t go on,
ich schau’ auch dabei zu.
26.1.05 01:32


Der Mosi-Mörder. Er ist Asyl-Bewerber aus dem Irak. Sie haben drei Stunden lang Pornos geguckt. Er wollte zweitausend Euro für Sex. Dann erwürgte er ihn von hinten.“ (BILD, 17.01.05)

Sieh mal, die G’schicht ist anders

(für Walter Sedlmayr - und Rudolf Mooshammer)

Hat nur 1 Winklein
In der Wölt,
Ein Eckchin Spieglein,
Wo’s sich g’föllt.

Der Wink’l ist ein rechter,
Das Maß fein abgezirkt,
Drin wird die Scherb’ ein Schlächter,
Der Haaresspalt zum Zopf gewirkt.

’S ist alsbald
Alles diagnostiziert,
Daß’s laut schallt,
Wönn es pläsiert.

Dran ist schon einer
Mal am Schreck gestorbm.
Drauf schrumpft er kleiner,
Hat sich als Staub beworbm.

Sein Göld geht in
Verwesung über
(Der Wurm ist drin),
Die Gläser werden trüber.

Denn in unsers HErrGOtts Weltall,
Da gibt es keine solche Nische,
Und die Moral
Von der G’schicht ist diese:

Wo dem sein Grab jetzt hügelt,
Da waxn schöne Paradeiser.
Die Falte ist bald ausgebügelt,
Die Hinterbliebnen, die san weiser.
17.1.05 21:16


frohes frühes friendly fire

frohes frühes,
friendly fire
und der kamin
ist sprengkammer.

brot satt,
böller mangelware,
alles zerspendet
in der flut

der jahresenden,
die nicht
zusammenpassen,
es sei denn als flickwerk.

das ende vom anfang
eines endens
auf erden
als sprachlos-

erkennungsprogramm:
sie haben anschluss
an einen ice ...
... aus ... nach ... um ...
1.1.05 03:09


FLASHBACK: d.day - keine nacht für niemand di.gi.arium 01.01.01

auf meiner hand steht BOR.SALBE. das siegel der nacht. ich gehe durch die nacht, die schon morgen ist, aber noch dunkel, also noch nacht. and my feet step the beat like a drum, dam.dam.dam. noch die hitze in mir. mir ist überall warm. nur mein atem, der kristallen aus mir raus geht in die luft. ich bin betrunken. ich bin ziemlich betrunken. also wanke ich bisschen. den berg auf meinen zauber.berg rauf. schweigend stehen die autos und sind von glänzender reif.schicht überzogen. die glatten scheiben wie jungfräuliches blatt. da muss text drauf, denke ich. mein finger an meiner aus.gestreckten hand berührt das eis. das eis schmilzt von meiner wärme. und ich schreibe, mein herz schreibt auf das eisige blatt „i love gitta!“ oder doch jeannie? nee, immer wieder gitta. und ich schreibe das auch auf das nächste auto. und noch auf das nächste. und auch auf das über.über.nächste. wie letzte botschaft. was soll der letzte satz sein in dem langen text des jahres? dies? i love gitta! irgendwo male ich auch noch ein großes herz drum. meine krakelige schrift. irgend.ein 14.jähriger hat das da hin geschrieben, also ich, also nicht.mehr.ich. im über.schwang der nacht. so sieht das jetzt aus. in die baum.rinde geritzt. und ich stehe, lese meinen satz und lache laut. und dann tänzle ich ins biwak. ins basis.lager des textes, um den text der nacht los.zu.schreiben. als der fertig ist, ist es halb.8. und am horizont in der richtung der anbetung blüht ein dunkel.rotes morgen.rot. ich stehe am fenster zum hof. mein atem macht die spur der antastbarkeit auf die scheibe. noch mal blatt, schreib.blatt, leer.raum für text. schreib mich! und ich schreibe nochmal mit meinem finger, meinem zärtlichen da hinein: i love gitta. die schrift in meinem atem. und langsam verdunstet der hauch. von den rändern aus.

und die schrift verschwindet.
1.1.05 03:07


FLASHBACK: d.day - keine nacht für niemand di.gi.arium 00.12.28

büro. allein. die trauer der arbeit wird verrichtet. mitten in dieser seltsamen zwischen.zeit zwischen den revolutionen. und revolten. irgendwann ist das fertig. im netz bei capriss. die macht auf wood.stock. das war mal. und ist immer noch, in diesen pixies aus meinem heils.bringer namens netz.

in den kn ist heute der text über die lesung am literatur.telefon. überschrift: virtuelles tage.buch am literatur.telefon. ah ja. was bitte ist an diesem di.gi virtuell? versteh’ ich nicht. nur weil’s im netz verbreitet wurde, soll’s virtuell sein? andererseits: text ist sowieso immer virtuell, abständig, jenseitig, botschaft von einem drüben, einem dahinter. klar. okay. was steht da noch? „bereits seit anfang des jahres schreibt jörg.meyer täglich einen eintrag in sein virtuelles tage.buch. er ist ein beobachter des lebens in kiel. als freier mitarbeiter der kieler.nachrichten ist er viel in der szene unterwegs und schreibt mit ironischer, entlarvender und vor allem spitzer feder über die blüten, die das vermeintliche alltags.leben treiben kann.“

äh, ja. nein.

wer ist eigentlich dieser jörg.meyer?

ich bin die spitze feder (jede nacht dermaßen spitz, dass ich schreibe wie ein federnder). oder wie?

die blüten des vermeintlichen fand ich wo? im puff, an jeannies und an g.s tresen, an der tanke (bitte nochmal das six.pack, war heute schon mal mit selbem wunsch hier, aber der wunsch ist schon geleert, daher dennoch bitte nochmal das gleiche), in der nacht, die ich mit dem tag des texts erhellte, ein bisschen. ich, das licht, das in der nacht scheint. ja. nein.

und ich war viel unterwegs gewesen. zur nacht suchte ich die tastatur auf. dann das bett, die gruft der einsamkeit. ja. nein. ja.

„until the world has stopped revolving, until the birds have left the trees, until the winds have stopped on blowing, you’re beloved by me.“ (atc)

abends bin ich wieder unterwegs. mozart.zauberflöte. kn. text. ja. nein. doch. nach all dem komplizierten bach an x.mas ist das sozusagen erholsam. ich war papageno. „ein netz für mädchen wünsch ich mir.“ www.frauen.lob. ja. nein. ja.

„i don’t wanna be afraid, i’ve been waitin’ for you.“ (atc)

nein. ja. nein.

hinterher sitze ich mit koll.k. im quadrat. wir sind sozusagen hoch.zwei. die hohe kunst, die wir noch machen werden. das ist aber nächstes jahr. wir sind einig.einverstanden, dass der dezember scheiße war. wenigstens irgendwie blöd. wir tauschen aus, wie wir größte.anzunehmende.unfälle zelebrierten. ingenieure von kern.schmelzen. hinterher basteln an SARKOPHAGEN. was man wie ad.acta legt als nicht gelungen. wir trinken bier. der seltsame koll.k., wie er da redet. und wie ich ihn liebe, ihn mag. das seltsame geschöpf. immer ebenso nah wie fremd. der gleichzeitig.mit.text.produzent. wir sind welche, die sich WUND SCHREIBEN. in unserem büro einsam miteinander verbundene text.produzenten. wie wollten wir das glück in die welt bringen? so.und.so. und natürlich auch anders. überhaupt immer genau anders. koll.k. hat den ganzen tag mozart.briefe gelesen. mozarts bericht davon, dauernd kein geld zu haben. dass er dagegen sozusagen an.produziert hat. dass also kunst immer aus dem ungenügen kommt. mach’ mal eben noch ein gedicht oder eine serenade, das bringt vielleicht was. in der gegenwärtigen welt bringt das genau nichts. aber wir sind aktionäre der nach.geborenen. koll.k. meint, man wolle sich ja nicht direkt z.b. mit mozart vergleichen, ABER ... dieses aber ist natürlich das tolle! man könnte ja. man wäre ja etwa in dieser kategorie. hybris? nein, realistische beurteilung der eigenen potenz. dass man nur so überhaupt kunst machen kann, dass man die an den ganz.großen misst. ja. nein. ja.

in der tiefen nacht ist der text dann fertig und da hinaus gesandt. hier der text über die zauberflöte. bitte nimm! nimm das hier. und nimm es bitte eins.zu.eins. so ist das gewesen. etwa genau so. genau so war die liebe gewesen. in diesen tagen. bisschen wirr. ja. aber. aber eben doch in diesem sinne, der sieht und sich sehnt. der blick war aus den augen gekommen. der blick vom braunen auge, rot erhellt vom blitz.licht. und das haar, das hatte so.und.so gerochen. und es war schön gewesen, nur für den moment, der jetzt abgetrennt vom ärmlichen leben hier ist. eine erinnerung nur. und aus erinnerungen machten wir text, machten wir die revolte des so.genannt virtuellen gegen die ganz wirkliche wirklichkeit. die war ungenügend. so aber genügten wir wenigstens unseren ansprüchen an dieses sehr seltsame leben. and so we were

lucky
28.12.04 23:49


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